Ist das MÜLL oder kann das weg?
Bis in den Herbst widmet sich das CAC künstlerischen und sozialen Strategien rund um Abfall - einem Thema, das den Stadtteil prägt und darüber hinaus vielfach Relevanz für unser Zusammenleben hat. Denn am Umgang mit Müll erzählt sich in besonderer Weise, in welcher Gesellschaft wir heute leben oder leben wollen.
Ratsch! Tüte auf, Eis raus. Und weg.
Ratsch! Folie auf, Tomaten raus. Folie weg.
Packung auf, YumYum-Nudeln raus. Packung weg.
Strohhalm rein, Capri-Sonne raus. Weg damit.
Dose auf, Bohnen raus. Dose weg.
Wir werfen sie, sie fallen. Wir schieben, sie verschwinden.
Henriette Hufgard: Die Stadt, der Müll und die Moral
MÜLL - das Thema hat mit Fragen von Macht, Moral und Geld zu tun, mit sozialem Status, Stigmatisierung und kollektiver Verantwortung. In unserer Konsum- und Wegwerfgesellschaft ist er überall. Er überfordert uns und wirkt gleichzeitig infektiös: Wo Müll herumliegt, kommt mehr Müll hinzu. Ein Stadtteil etwa, in dem viel Müll auf der Straße liegt, wird sofort als gefährlich(er) wahrgenommen, auch wenn Statistiken das nicht bestätigen. Niemand möchte in einem vermüllten Viertel wohnen, aber nur wer es sich leisten kann, sorgt dafür, dass andere den Müll verschwinden lassen. Aber ist er dann wirklich “weg”?
Wir produzieren heute so viel, so schnell und effizient wie nie zuvor in der Geschichte. Während vor dem Zweiten Weltkrieg die Sammlung des Mülls das größte Problem war, ist es mittlerweile seine Lagerung. Nur weil der Müll nicht mehr vor unserer Haustür liegt, ist er noch lange nicht verschwunden. Das gilt für den Stadtraum genauso wie global - wir lagern den Müll aus, verdrängen ihn. Während wir auf dem Wertstoffhof ein Stück weit unsere Seele reinigen, schwimmen im Nordpazifik riesige Müllinseln, in Ghana oder Nigeria türmen sich toxische Abfallberge: hierhin wird der Müll der Nordhalbkugel auf neokolonialen Wegen outgesourct. Beim Thema Müll geht es also immer (auch) um Gerechtigkeit.
Das CAC wird zur alternativen Abfall-Wirtschaft
Was erzählt unser Umgang mit Müll über uns als Gesellschaft? Wann wird für jede*n einzelne*n etwas zu Müll und warum? Wie können uns Sperrmüll und vermeintliche Abfälle zusammen und ins Gespräch bringen? Und was hat das eigentlich mit Kunst zu tun?
Das CAC verwandelt sich vom 7. Mai bis in den Herbst in eine alternative Abfall-Wirtschaft: einen Raum im Sinne einer Eckkneipe, der einlädt zum gemeinsamen Nachdenken und Diskutieren, aber auch zum kollektiven Werkeln, Recyclen und Bauen. Denn die Wirtschaft des CAC entsteht erst noch und bleibt dann in ständiger Transformation. Ihre Tische und Stühle bauen auf die Mitgestaltung aller - und sind aus nichts anderem gemacht als abgegebenem Sperrmüll. Die alternative Abfall-Wirtschaft ist ein Gemeinschafts(kunst)werk. Hier könnt ihr Essen und Getränke unserer Kooperationspartner*innen aus der Nachbarschaft verzehren oder den Raum einfach konsumfrei nutzen - für neue Begegnungen, Austausch oder die Teilnahme an unseren Veranstaltungen zum Thema.
Mehr zu allen Veranstaltungen findet ihr in unserem Kalender.